„Ans andere Ende der Welt“ von Philip Pullman

Zehn Jahre später. Lyra ist Studentin und begibt sich auf eine gefährliche Reise, die alles verändern wird.

Hallo Leseverzauberte!

Vor zwei Jahren habe ich die wunderbare Fantasytrilogie „His Dark Materials“ von Philip Pullman zum ersten Mal entdeckt. Mich konnte er auch mit dem Prequel „Über den wilden Fluss“ begeistern, das zwanzig Jahre vor dem neu erschienenen Sequel „Ans andere Ende der Welt“ spielt. In einer ausführlichen Rezension habe ich spoilerfrei geschrieben, wie das Buch mir gefallen hat und was mir gefehlt hat.

Vielen Dank an den Carlsen-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Handlung

Lyra studiert in Oxford und befindet sich in einem Konflikt mit ihrem Dæmon Pan. Als er einen Mord beobachtet, lesen sie im Tagebuch des Opfers von einer Dæmonenstadt in der Wüste und Lyra begibt sich auf eine gefährliche Reise ans andere Ende der Welt …

Meinung

Das Buch spielt zehn Jahre nach „Das Bernstein-Teleskop“, dem dritten Band der „His Dark Materials“-Trilogie. Durch das Auftreten von Malcolm, Alice, Dr. Relf und anderen Personen ist der eindeutige Zusammenhang zum Prequel „Über den wilden Fluss“ hergestellt, in dem Lyra noch ein Baby ist. Aber auch Menschen aus „Der Goldene Kompass“ tauchen auf.

Der Fokus liegt anfangs deutlich auf der Beziehung zwischen Mensch und Dæmon. Lyra und Pan sind gegensätzlicher Ansicht, weil sie Bücher gelesen hat, die stark an der Existenz von Dæmonen und ihrer Bedeutung zweifeln und sie als Einbildung abtun. Pantalaimon ist davon überzeugt, dass die Autoren sie beim Lesen manipuliert haben. Ihre Diskussionen über Fantasie waren dennoch faszinierend wie schmerzhaft zu lesen. Der Streit der beiden wird früh nervig, aber da beide sich trennen, hört das wieder auf. Über den Verlauf der Geschichte wird jede Menge Interessantes über Felder in der Atmosphäre angedeutet, womit Philip Pullman erneut zeigt, welch außergewöhnliche Welt er vor über 20 Jahren erschaffen hat. Hoffentlich geht er im nächsten Buch noch weiter auf die physikalischen Aspekte an. Nicht zuletzt war die neue Methode das Alethiometer zu lesen sehr interessant und wurde, wie so vieles in dem Buch, detailliert beschrieben.

Insgesamt erleben wir mindestens zehn einmalige und dauerhafte Perspektiven, die das Geschehen abwechselnd an zahlreichen Orten beleuchten. Auf die präzise dargestellten und viele schnell von mir liebgewonnene Personen kann ich nicht näher eingehen, ohne zu spoilern. Ich beschränke mich auf zwei Erkenntnisse zu den Protagonisten: Pans selbstbewusstes und eigenständiges Auftreten war beeindruckend und ich fand es manchmal etwas leichtsinnig, wie schnell Lyra neuen Menschen vertraut.

Es passiert so viel und es ist unglaublich, wie bildhaft Pullman schreibt und Spannung aufbaut, sodass es auf 700 Seiten kaum Längen gibt. Gestört hat mich, dass die letzten 150 Seiten nahezu nur aus Lyras Sicht und sich ein unbefriedigendes Ende andeutet. Tatsächlich bekommen wir es mit einem fiesen Cliffhanger zu tun und müssen nun auf undefinierte Zeit warten, bis es weitergeht. Erwähnenswert ist auch, dass es brutaler ist als die anderen Bücher der Reihe. Es ist nicht für jede*n ab 14 Jahren geeignet, wobei die meisten Fans wahrscheinlich älter sind. Dennoch halte ich eine Triggerwarnung wegen expliziten Gewaltszenen für angebracht. Eine Karte wäre bei diesem Buch Pflicht und auch nicht zu aufwändig gewesen, weil die Welt eine Kopie unserer Welt ist. Ich habe Lust bekommen, Lyras Route irgendwann nachzureisen und die Buchschauplätze zu besuchen.

Fazit

Mir hat das Sequel ausgesprochen gut gefallen. Es hat großen Spaß gemacht alte und neue sympathische Charaktere auf ihrer Reise zu begleiten. Pullman zeigt, dass in seiner 20 Jahre alten Idee viel Potenzial steckt, das er sich teilweise für den abschließenden Band aufhebt.

Bibliografie

Aus dem Englischen von Antoinette Gittinger
752 Seiten
Am 6. März 2020 erschienen
Carlsen
27,00 €

mehr

(c) Carlsen, Daniel Eckert

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.